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Mittwoch, 16.11.2011

Schmerzquellen noch und noch

„Der strapazierte Rücken“ interessiert mehr als 300 Zuhörer / Gemeinsame Veranstaltung von Regensburger OrthopädenGemeinschaft und Krankenhaus Barmherzige Brüder

 „Fast jeder Mensch geht mindestens einmal in seinem Leben wegen Rückenschmerzen zum Arzt. Kein Wunder, bei dem, was der Rücken im Alltag alles aushalten muss“, sagt Orthopäde Dr. Albert Feuser. Welche Probleme das sind und wie sie sich lösen lassen, erläuterten seine Kollegen von der Regensburger OrthopädenGemeinschaft und vom Krankenhaus Barmherzige Brüder bei der gemeinsamen Infoveranstaltung „Der strapazierte Rücken“.

„Allein aufgrund der Anatomie der Wirbelsäule gibt es Schmerzquellen noch und noch“, erklärte Dr. Christoph Pilhofer. Die meisten Beschwerden verursache die Lendenwirbelsäule. „Sie bereitet wesentlich öfter Probleme als die Halswirbelsäule.“ Dabei sei Rückenschmerz nicht gleich Rückenschmerz: „Jedes Alter hat seine eigenen Leiden.“ So entstehe eine Skoliose, eine Seitenverbiegung der Wirbelsäule, bereits im Kindes- und Jugendalter. Zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr treten die meisten Bandscheibenvorfälle auf und „in späteren Jahren macht der Verschleiß der Wirbelsäule die größten Probleme, mit der Spinalkanalstenose an der Spitze.“


„Darunter versteht man eine Engstelle im Wirbelkanal, die auf die Nerven drückt und zu Schmerzen führen kann“, definierte der Orthopäde Dr. Peter Daum. Aber nicht jede Stenose tue weh. So hätten rund zwanzig Prozent der über 60-Jährigen eine Spinalkanalstenose, aber nur bei ein bis zwei Prozent verursache sie Probleme. Diese äußerten sich in Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit in den Beinen. Viele Patienten könnten nur noch 100 bis 200 Meter laufen und müssten dann stehen bleiben, um den Wirbelkanal zu entlasten. „Um nicht aufzufallen, tun viele Patienten so, als ob sie ein Schaufenster betrachten würden. Deshalb nennt man dieses Leiden auch Schaufensterkrankheit“, so Dr. Daum. Eine genaue Diagnose sei dringend notwendig, da sich auch Durchblutungsstörungen in den Beinen ähnlich äußern würden. Größter Unterschied: beim Sitzen, Radfahren oder Treppen steigen, also bei nach vorne gebeugten Bewegungen, lassen die Schmerzen bei einer Spinalkanalstenose nach, bei Durchblutungsstörungen nicht.


Häufigste konservative Behandlungsmethode sei die sogenannte Entlordosierung, das heißt die Reduzierung des Hohlkreuzes. „Denn je weniger Hohlkreuz, desto weiter ist der Lendenwirbelkanal“, machte Dr. Daum deutlich. Dies könne durch spezielle krankengymnastische Übungen oder auch durch Mieder erreicht werden. Ergänzend kommen schmerzhemmende und muskelentspannende Medikamente, Injektionen, Neuraltherapie sowie Akupunktur zum Einsatz.

Letzteres Mittel scheint schon Ötzi gekannt zu haben, wie Dr. Helmut Biller, ebenfalls Mitglied der Regensburger OrthopädenGemeinschaft, berichtete: „An der 5.500 Jahre alten Gletschermumie finden sich Tätowierungen, die wir heute nach der chinesischen Akupunkturlehre als Stärkungspunkte kennen.“ Dr. Biller ging in seinem Vortrag nicht nur auf die historischen Aspekte der Akupunktur ein, sondern stellte auch Wirkungsweisen und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten dar. „Insbesondere Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule, der Schulter-, Hüft- und Kniegelenke sprechen gut auf die Nadelbehandlung an“, so Dr. Biller.

Trotz der Vielzahl der verschiedenen konservativen Behandlungsmethoden kommen einige Patienten nicht um eine Operation herum. „Wenn Patienten deutliche und anhaltende Beschwerden haben, ist die einzige dauerhaft wirksame und nebenwirkungsärmste Behandlung die operative Erweiterung des Wirbelkanals“, sagte Dr. Adolf Müller, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie. Mittels Bildern und Videos demonstrierte er, wie die verschiedenen Operationsmöglichkeiten für den Rücken aussehen. Im Fall der Wirbelkanalstenose ist nur ein kleiner Schnitt nötig, um anschließend mit dem Diamantbohrer die einengenden Knochenanteile von den Wirbelgelenken und Wirbelbögen abzutragen. Einengende Bänder werden mit der Stanze entfernt, so dass sich die Nerven wieder entfalten können. „Rund 80 Prozent der Patienten sind nach einer Operation wieder völlig beschwerdefrei“, erklärte der Chefarzt. Er führe solche Operationen sehr gerne durch, da Patienten nach der Erweiterung des Wirbelkanals durch ihre zurückgewonnene Mobilität wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen könnten.


Im Anschluss an die Vorträge beantworteten die Orthopäden Fragen aus dem Publikum. Viele der rund 300 Teilnehmer nutzten die Chance zum persönlichen Gespräch mit den Fachleuten.