Orthojournal.

Dr. Gerhard Ascher, Facharzt für Orthopädie, Mitglied der Regensburger OrthopädenGemeinschaft

Dr. Gerhard Ascher, Facharzt für Orthopädie, Mitglied der Regensburger OrthopädenGemeinschaft

Golfsaison in Sicht!

Gesundheitsratschläge aus der Sicht eines golfenden Orthopäden

Die Wintersportsaison neigt sich dem Ende zu, die Fußball-Bundesliga läuft bereits wieder seit Wochen auf Hochtouren. Unsere Patienten garantieren uns mit ihren sportlichen Aktivitäten eine hohe Nachfrage nach “heilenden Händen“, sie halten uns bei Laune und in Übung und wir danken ihnen die hohe Nachfrage mit hohem persönlichem Einsatz und weltweit anerkannter medizinischer Qualität.

Das nahende Frühjahr weckt nun in Kürze auch die Golfer aus ihrem Monate währenden „Winterschlaf“. Damit es eine schöne Saison wird, muss jeder bedacht darauf sein, mehr über die Ursachen von Beschwerden und Erkrankungen zu verstehen, vorbeugend einzugreifen und mit etwas Köpfchen und Glück Schlimmeres zu vermeiden.

Der typische Golfer der 80er–Jahre war Senior, hatte den Golfsport meist erst nach beruflichem Erfolg und besserer zeitlicher Verfügbarkeit zwischen 50 und 60 Jahren begonnen, war aber trotzdem noch erfolgsverwöhnt und ehrgeizig. Die Kondition fordernden Sportarten waren längst verlassen, Beweglichkeit und Kraft hatten etwas gelitten. Frühere kleinere Unfälle und Mannschafts- und Kontaktsportarten hatten ihre Lebensspuren hinterlassen. Der Golfsport war als Ersatz- und Anschlusssportart für die höheren Lebensalter beliebt und gehasst. Ein Standardspruch war: Hast du noch Sex oder fährst du schon Porsche und spielst Golf?

Jungkur für den Golfsport

Heute hat der Golfboom auch Deutschland erfasst und seine Fans verjüngt. Golf ist zur ergänzenden Freizeitbeschäftigung und Abwechslung für Fußballer, Handballer, für weltreisende Globetrotter und Trendsportler, für Naturerlebnisse und wichtige Gespräche geworden. Auch Kinder und Jugendliche können dem Sport immer mehr abgewinnen und schätzen das gemeinsame Training von Koordination und Konzentration. Sie haben ihren Eltern sehr schnell den harmonischeren Schwungablauf und damit höhere Ballbeschleunigung und Dynamik voraus. Der Golfsport ist damit auch in Deutschland wie in den Herkunftsländern England, Schottland oder Irland jünger, dynamischer und konditionell anspruchsvoller geworden.
Trotzdem sind „Wir Älteren“ noch weit in der Überzahl und bringen im März und April jährlich unsere im Winter schlafenden Wehwehchen wieder mit auf den Golfplatz. Deshalb sofort einige Warnungen aus der Sicht des älteren Mediziners: Die Monate März und April sind noch überwiegend kältere Monate mit Wind und Feuchtigkeit in der Luft. Dehnbarkeit und harmonische abgestimmte Bewegung ist aber von Wärme und Lockerheit bei geringer muskulärer Spannung mit abhängig. Nur warme Kleidung mit guter Atmungsfähigkeit und Windabweisung kann uns hier helfen.

Gutes Material schont

Die Böden sind zu Beginn der Saison noch feucht, tief und rutschig. Es ist hier keine Schande, etwas tiefer reichende Soft-Spikes zu verwenden. Viele unnötige Rutschpartien mit Außenbandrissen, Knöchelbrüchen oder Knieverdrehungen und Meniskusschäden bleiben dann erspart.

Zecken-Invasion

Bedenken Sie auch den Angriff der Zecken, die schon im Frühjahr hoch aktiv werden und Borreliose und Gehirnhautentzündung übertragen können. Kontrollieren Sie die Notwendigkeit der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) Auffrisch-impfung und konsultieren Sie einen Arzt, wenn Ihnen umschriebene Hautrötungen gerade im Beinbereich oder im Nacken selbst ohne erkennbaren Zeckenbefall ins Auge springen. Zecken sollten möglichst frühzeitig am gleichen Tag erkannt und entfernt werden, da sie für die Borrelien-Übertragung in der Regel viele Stunden Kontaktzeit benötigen.

Der Kopf bleibt länger jung

Das Älter-Werden beginnt grundsätzlich früher, als es unser viel zu junger Kopf wahrnimmt. Abnützung in Form von Gewebsschwäche und beginnenden Verschleißerscheinungen werden z.B. für die Bandscheiben bereits um das 20. Lebensjahr häufig beobachtet. Schäden am Knorpelgewebe der Kniescheibe oder im Meniskusinneren, anfänglich noch ohne Einriss, treffen nahezu jeden Lauf- oder Mannschaftssportler nach dem 30. Lebensjahr. Nach 50 Lenzen häufen sich gravierende Knorpelschäden, echte Meniskusrisse, Defekte der Schultersehnen, Abnützungen der Schultereckgelenke, zum Teil knotige Verdickungen der Fingermittel- und -endgelenke (Fingerpolyarthrose bei erblicher Veranlagung) sowie die Folgen kleinerer Bandscheibenvorfälle und die Wirbelgelenksarthrosen. Letztere treten nahezu zwanghaft auf, wenn sich die Bandscheiben auf fast natürliche Weise etwas verschmälern und ihre jugendliche Spannung mit hohem Wassergehalt verlieren. Nur Muskulatur und Wirbelgelenke können dann die Wirbelsäulenstabilität ausreichend garantieren und werden sehr leicht überlastet.

Gelenke brauchen Präzision

Nun sind gerade im Golfsport die Körperdrehungen im Knie- und Hüftgelenk, in den Übergangszonen der Wirbelsäule am Becken, zur Brustwirbelsäule und wiederum zur Halswirbelsäule und der Schultergelenke und Unterarme entscheidend für einen gut ausgeführten Golfschlag. Ungesund ist es vor allem dann, wenn die Faszination eines weiten Golfschlags die Beherrschung und Vernunft mit höherer Bewertung der Präzision überwiegt. Hier sind Männer sicher mehr gefährdet als Frauen. Das Durchreißen bei ruckartiger Beschleunigung mit hoher Intensität möglichst nach dem Vorbild eines Tiger Woods führt selten zum „longest drive“, dafür fast zwingend in die orthopädische Praxis.

Verdrehungen in gebeugter Knieposition sind die klassischen Auslöser für Meniskuseinrisse, bei entsprechender Veranlagung auch für Kniescheibenteilverrenkungen. Die endgradige Oberkörperdrehung führt zum Anschlagen der Wirbelgelenke der Lendenwirbelsäule und zur erheblichen Druckerhöhung im Bandscheibeninneren und den Kreuzdarmbein–Gelenken. Reizzustände und Kapselentzündungen der kleinen Wirbelgelenke, die wir aktivierte Facettenarthrosen nennen, sind die Folge und blockieren die Bewegung. Zerreißungen der Bandscheibenfaserringe bedingen akute Bandscheibenvorfälle und erzeugen muskuläre Verkrampfungen, die wir als Hexenschuss, heute in der modernen Physiotherapie als Triggerpunkte oder Triggerbänder in der Muskulatur, bestens kennen. Dies geschieht umso schneller, je weniger dämpfende Muskulatur diese Bewegung stabilisieren und begrenzen kann. Reizung der Schlüsselbeingelenke (Eckgelenk) der Schulter und Schleimbeutelentzündungen im Sehnenansatzgebiet des Oberarmkopfes führen zu Schmerzen in der Hebe-Bewegung sowie beim nächtlichen Liegen auf der Schulter.

Schwachstellen orten

Wir Orthopäden finden gerne einen Weg, diese unangenehmen Reizzustände auf konservativem Wege mit Injektionen, Medikamenten, Stoßwelle,  Sportpause, Manualtherapie, Osteopathie oder auch Training wieder zu beseitigen oder Meniskus- und Bandscheibenschäden im Einzelfall auch auf operativem Wege zu sanieren.

Besser wäre es aber, diese Schwachstellen bereits vorab zu erinnern und im Bewegungs- und Trainingsaufbau jedes Jahr neu zu berücksichtigen. Wir kennen ja unsere alten Verletzungen an Gelenken oder Wirbelsäule. Und wir wissen um unseren selten idealen Trainingszustand bzw. die nach-winterlichen Kraft- und Konditionsmängel mit eingeschränkter Gelenkbeweglichkeit.
Beugen Sie also Beschwerden und Verletzungen vor, indem Sie bereits jetzt Schultergürtel mit Nackenmuskulatur, Rücken- und Bauchmuskulatur und Ihre Beinkraft trainieren. Verbessern Sie Ihre Beweglichkeit durch langsame und dosierte Dehn- und Beweglichkeitsübungen. Nutzen Sie  z.B. Yoga. Oder lassen Sie sich von Ihrem Trainer sportartspezifisch beraten, insbesondere bei mannschaftlicher Aktivität und gemeinsamem Vereinstraining.

Vorsicht vor kurzfristig wirkenden Therapien

Meiden Sie übrigens die verführerisch einfachen und kurzfristig wirksamen Cortisoninjektionen an Sehnen wie Rotatorenmanschette oder Achillessehne. Bevorzugen Sie natürliche Techniken wie exzentrisches Dehnen und Triggerpunktbehandlung. Nutzen Sie im Falle der Verletzung oder hartnäckiger Überlastungsbeschwerden die moderne Medizin mit Stoßwelle, Hyaluronsäure oder Wachstumsfaktoren aus Eigenblut (plättchenreiches Plasma). Bestehen Sie auf einer exakten  Diagnose, die heute mit manueller Untersuchung, funktionellen Tests, ergänzendem Röntgen, Ultraschall und Kernspintomografie sicher möglich sein sollte. Denken Sie auch an gelegentliche Blutentnahmen bei gehäuften Reizzuständen, um Harnsäureerhöhung und Gichtentwicklung, chronische Borreliose oder andere Infekte wie das Pfeiffer’sche Drüsenfieber, chronische Magen-Darm-Erreger oder gar Erkrankungen von Schilddrüse, Leber und Niere auszuschließen.

Regensburg ist eine hervorragend entwickelte Golfregion und hat mit Clubs wie zum Beispiel im Fürstlichen Thiergarten, in Bad Abbach-Deutenhof oder vielen anderen Anlagen im Umkreis von 50 Kilometern eine tolle golferische Infrastruktur. Wir brauchen Sie vor allem als zahlende und begeisterte Clubmitglieder auf unseren Plätzen draußen in der Natur und nicht den Großteil Ihrer Freizeit in unseren Arztpraxen. Wir wünschen Ihnen deshalb vor allem ein langes und erfülltes Leben mit dem entspannenden Golfsport.


Dr. Gerhard Ascher im Internet:
www.orthopaedie-gewerbepark.de